„Ich trage den Namen meines Gottes!“
Nur zweimal in Deutschland kann eine Kirchengemeinde dieses Bekenntnis ihrer Kirchenpatronin für sich in Anspruch nehmen: St. Christina in Ravensburg und St. Christina in Herzebrock (Westfalen). Kein Wunder, dass die beiden eine Art Fanclub für die Hl. Christina gegründet haben. Auf einem eigens dafür gestalteten Logo weisen Pfeilspitzen auf ihr Martyrium hin. Tödliche Pfeile setzten ihrem jugendlichen Leben in der Christenverfolgung des Diokletian (4. Jh.) ein Ende.
Im Straßenverkehr dienen Pfeile als Wegzeichen zur besseren Orientierung. So gesehen kann man die Pfeile der Hl Christina auch als Richtungspfeile deuten, als Ausdruck ihrer Zielstrebigkeit, mit der sie ihrem Leben die entscheidende Richtung gab. Bei allem, was man von ihr weiß, hieß ihre Orientierung: Ich glaube an Jesus Christus. Davon ließ sie sich durch keine Macht der Welt abbringen. Sie stand damit in tödlichem Gegensatz zu dem, was für viele ihrer Zeitgenossen prägend war: Besitz und Reichtum, weltliche Macht, Abhängigkeit von modernen Ersatzgöttern, Rituale ihrer Verherrlichung, alles durchaus auch aktuell für die Menschen heute.
Insofern gibt Christina auch heute eine Richtung an, die zwar nicht mehr verboten ist wie damals, als sie in Bolsena lebte, die aber in Konkurrenz steht zu vielen Vorstellungen von einem erfüllten und glücklichen Leben. Das Fest an ihrem Namenstag am 24. Juli und die Feier des Kirchenpatroziniums zur Rutenfestzeit (Christina gilt übrigens auch als Patronin der Bogenschützen) nimmt die Gemeinde St. Christina wenigstens einmal im Jahr zum Anlass, ihr Visier neu einzustellen und etwas mehr als sonst auf Christina und ihre Pfeile und damit auf die Ausrichtung ihres Glaubens zu achten.
Seit dem 800-jährigen Kirchenjubiläum machen das die Ravensburger nicht mehr allein. Eine begeisternde Wallfahrt im Jahr 1997 in die Heimat ihrer Kirchenpatronin nach Bolsena machte den Anfang. Man entdeckte dort, dass Pilger aus halb Europa auf ihrem Weg nach Rom seit Jahrhunderten Halt machten, um am Grab der Hl. Christina zu beten, unter ihnen auch eine Gruppe aus St. Christina in Herzebrock. Aus ersten Kontakten dorthin ist inzwischen eine stabile Freundschaft geworden. Gemeinsam begab man sich auf die Suche nach weiteren Gemeinden, die ebenfalls die Hl. Christina verehren. Man fand sie außer in Bolsena (Italien) in Lloret de Mar (Spanien), in Cuers (Südfrankreich) und in St. Christina (Grödnertal). Bei Besuchen dort in den vergangenen Jahren konnte man ein reiches Brauchtum und eine sehr ansteckende Verehrung der gemeinsamen Heiligen erleben.
Sie alle sind nun in diesem Jahr vom 16. – 18. Juli in Ravensburg zu Gast. Die beiden deutschen Christina-Gemeinden haben sie eingeladen zu einem internationalen Fest der Begegnung mit Christina und allen, die sich freuen darüber, den Namen ihres Gottes zu tragen.
